Was ist Flamenco?

 

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, der Flamenco stamme ausschließlich von den Zigeunern Andalusiens ab, trägt er viele Färbungen verschiedener Kulturen in sich. Sie fanden sich über lange Zeit in Andalusien zusammen und dort entwickelten sie sich weiter, um heute das zu sein, was es ist: ein fast magisches Gefüge voller Kraft und Energie, zwischen den drei wichtigsten Komponenten cante (Gesang), baile (Tanz) und guitarra (Gitarre).

 

Jeder palo (Musikstück) hat seinen eigenen compás (Charakter/'Takt'), der durch die palmas (Klatschen) und die Gitarre beschrieben wird; innerhalb dieser Rhythmen und Emotionen bewegen sich Sänger und Tänzer.

 

Durch den expressiven statt ästhetischen Gebrauch der Stimme, mit der typischen Verformung der Worte in Mund und Kehle des Sängers, die Verwendung unverkennbarer Tonleitern, Melodien oder Akkorde aller Musiker, durch die auffälligen Techniken der Gitarristen und den bezeichnend impulsiven Wechsel der Dynamik und der abrupten Ruhe im Tanz entsteht diese herbe Faszination des Flamencos...

 

 

la palabra : `flamenco`

( das Wort : `Flamenco`)

 

Auf spanisch heißt Flamenco eigentlich `flämisch`. Daß diese Bedeutung zu einer orientalisch klingenden Musik nicht passt, liegt auf der Hand. Die Herkunft ist bis heute rätselhaft. Es gibt eine Vielzahl von Theorien über die Entstehung dieses Begriffs, obwohl vielleicht die am weitesten Verbreiteste jene ist, die von Blas Infante in seinem Buch `Orígenes de lo flamenco y secretos del cante jondo`vertreten wird. Ihm zufolge wurde das Wort Flamenco von dem arabischen Begriffen felah- mengus abgeleitet, was soviel heißt wie „ umherziehender Bauer“.

 

 

primeros maestros del flamenco
(die ersten bekannt gewordenen Flamencogrößen)

 

Die ersten Künstler, bei denen der Flamenco im 18. Jhdt. seinen volkstümlichen Charakter       
verlor und zum künstlerischen Genre wurde, kamen aus Triana, Jerez und Cádiz.
Einer der Ersten war der Sänger (cantaor) `El Planeta`, der als erster Künstler über die geschlossenen Türen, hinter denen der Flamenco bis dahin stattfand, hinaus bekannt wurde .

Später dann auch sein Schüler `El Fillo`.

Ende des 19. Jhdts. war die Kunst des Flamenco bereits in ganz Andalusien verbreitet.

 

 

Las tres columnas del flamenco
(die 3 Säulen des Flamencos)

 

1.) Gesang el cante

2.) Tanz .......el baile

3.) Gitarre .. el toque

 

Flamenco ist eine Kunstart. Keine Volkskunst, die jedermann ausüben kann, sondern ein tiefer, persönlicher Ausdruck einer Tragödie, eines Freudenrausches, einer burlesken Situation und anderer Erlebnisse, die aus dem Herzen kommen.......

 

 

el cante flamenco
( der Gesang)


Er ist die Klage eines seit Jahrhunderten unterdrückten Volkes, ein elementarer Aufschrei eines Volkes, versunken in Armut und Unwissen. Die Gesänge sind Verzweiflung, Magie, Aberglaube, Verfluchung, verwundete Seelen der Liebe, Ausdruck von Unausgesprochenem, Erinnern an Tradition, Solidarität,  Zusammenhalt in den Familien. Typisch im Flamenco ist der expressive, statt ästhetische Gebrauch der Stimme, dieses etwas Kehlige, Raue, manchmal Aufschreiende macht das Besondere dieses Gesangs aus. (Das europäisch geprägte Ohr muss sich an diese Klänge erst gewöhnen.)
Der Gesang war also der Ursprung des heutigen Gesamtkunstwerks Flamenco, auf ihn geht alles zurück. Grundsätzlich ist ohne ihn das Erlebnis Flamenco nicht möglich.

 

Es gibt ca. 5 „Grob- Kategorien“ der verschiedenen (subjektiven) cante-Arten: :
cante chico: die weniger ernsten cantes, die eher zum Tanzen geeignet sind z.B.: rumbas (kubanische Herkunft, 4-schlägig, Mitte des 20. Jhdt. sehr populär, jedoch die wirkung auf denFlamenco beschränkt sich auf ein paar seltene stücke)


cante festero: die fröhlichen und äußerst lebhaften Stile wie alegrias ( 12-schlägigerRhythmus, Bedeutung und Gefühl ist die Freude)
cante gitano: die durch Interpreten der gitanos ( Zigeuner) gezeigt wird
cante grande: der feierlichste Stil der cantes, auch für gut ausgeführten Gesang benutzt


cante jondo: Gesangsstil mit der größten Feierlichkeit, Ursprünglichkeit, Tiefe und Ausdruckskraft, Synonym für den reinen Flamenco.

 

 

el toque
(das Gitarrenspiel)


Gegen 1850 entstand die Flamencogitarre, die sich nicht nur im Erscheinungsbild, sondern vor allem im Spiel von ihrer Schwester aus der Klassik bis heute unterscheidet. Sie war von Anfang an das Begleitinstrument des Gesangs, wie auch des Tanzes. In ihren Melodien und Akkorden spürt man die stattgefundene Verschmelzung vieler Arten und Techniken.


Um das komplexe Thema der Improvisation kurz zu umreißen, kann man sagen, dass es reicht, wenn der Sänger und der Tänzer ihrem Begleiter, den Gitarristen einige grobe Anhaltspunkte geben, wie zum Beispiel die Benennung des gewählten palos (Stil/ Jede einzelne der musikalischen Strukturen, die im Flamenco existieren):

z.B.: por solèa (gehört zu den grundlegendsten palos, 12-schlägiger cante-Typ, Bedeutung und Gefühl der `soleá` ist dieEinsamkeit) und 
die Erklärung des Sängers: al tres por arriba (dritter Bund oben), sodaß der Gitarrist weiß, welcher Rhythmus, welcher Modus und welche Tonhöhe gemeint sind und die rhythmische Begleitung, wie auch die melodischen Passagen (falseta: Akkordfolgen, die den Gesang begleiten oder die escobilla (Fußteil) des Tänzers) spielen kann, ohne sie ein einziges Mal zu proben, und sogar in der Lage ist, sie vollständig zu improvisieren.

Als weitere Instrumente, die heute im Flamenco zu finden sind, wäre das cajón (Perkussion aus Kuba stammend), die Flöte, bei neusten Entwicklungen: die Bassgitarre, Streichinstrumente.

Der compás , der spezifische und jeweils unterschiedliche Rhythmus eines jeden palos, hält alle 3 Komponenten zusammen; an ihm orientieren sich Sänger, Gitarrist und Tänzer. Ohne ihn wäre spontan entstehender Flamenco (juerga) nie möglich.

 

 

             

el baile flamenco
( der Tanz)              

             

             

 

Der Flamencotanz, der echte Flamencotanz,
unterscheidet sich, genau, wie der Gesang von
dem volkstümlichen Tanz und der großen
Anzahl klassisch-spanischer Tänze.
Die wechselhafte Geschichte des Flamenco-Tanzes,
der sich, genau wie das Gitarrenspiel unaufhörlich
weiterentwickelt, ist ein Indiz für seine zahllosen
Einflüsse.


Sein orientalisches Erbe tritt deutlich zum Vorschein:
die weichen, biegsamen Armbewegungen der Tänzerin
(bailaora: Flamencotänzerin) und besonders in ihren ausdrucksstarken Drehungen und Bewegungen, auch der Handgelenke. Der Tanz der Männer (bailaor: Flamencotänzer) ist strenger: langsam beherrschte Armbewegungen, meist gestreckte gerade Hände und die Kraft und Virtuosität der Fußarbeit, die allerdings auch die Frauen heute viel mehr zeigen.

 

Daß der `baile` derzeit überhaupt auch in Formationen ausgeführt wird, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich ursprünglich um einen Einzeltanz handelt/-e. Man spricht von einem introvertierten, erdigen Tanz: der Tänzer bewegt sich gewöhnlich auf begrenztem Raum, holt nicht weit aus, macht keine aufsehenerregenden Sprünge, und seine eng geführten Bewegungen sind meist nach unten gerichtet, im Gegensatz zum klassischen Tanz, bei dem nach oben gestrebt wird.


Diese Regeln sind zwar zur heutigen Zeit noch spürbar, allerdings werden sie neu interpretiert und erfahren Veränderungen; sie werden freier gesehen, weiterentwickelt, jedoch ohne ihnen untreu zu werden.
Der Flamencotanz ist eine abstrakte Tanzform, bei der weder ein Thema veranschaulicht, noch eine Handlung imitiert wird. Was der Tänzer macht, hängt einzig von seinen Gefühlen und Improvisationsfähigkeiten ab.

 

Wichtig ist dabei, wie schon erwähnt, der compás!

 

der Flamenco-Tänzer/-in darf keinen fingerbreit vom Rhythmus abweichen; es müssen die typischen Bewegungsabläufe und Figuren gekannt sein, um dann improvisieren zu können. Außerdem ist die Beherrschung der typischen, sehr spannungsvollen Körperhaltungen (cuerpo de baile flamenco), die gegengleichen Bewegungsfolgen der Armarbeit (braceo), die Hand- und Fingerarbeit bei den Tänzerinnen, die Drehungen (vueltas), die ausdrucksstarke Gestik, sowie die Fußtechniken (zapateados: punta- Fußspitze, tacón- Absatz, golpe- ganzer Fuß, planta- Fußballen; desplante: mehrmalige,kräftige golpes; redoble: golpes-rechts-links-links-rechts oder umgekehrt; taconeo: hörbares, abwechselndes Auftreten der Spitzen und Absätze; escobilla: Fußteil, längerer Teil des Tanzes...) unbedingt notwendig.

Eine besonders beliebte Technik, die das „Wohnen“ im Rhythmus verlangt und unter Beweis stellt, ob man `Flamenco` ist, ist das Tanzen bzw. die Fußarbeit im contratiempo (Gegenzeit). Wer diese Fertigkeit klar beherrscht, mit ihr spielen, sie variieren und absolut beschleunigen kann, ist bei den aficionados immer gern gesehen und gefeiert.

 

Diese Techniken haben sich bis zum heutigen Tag in ihren Grundformen nicht geändert. Sie sind nur viel komplexer, aufwendiger geworden. Es hat sich ein viel größeres Materialpotential der Fußarbeit mit seinen Rhythmen, Fertigkeiten und Schnelligkeiten, sowie der ausdrucksstarken, vielseitigen Körperarbeit entwickelt, mit dem der/die heutige Flamencotänze/-in arbeiten kann.

 

Die traditionellen Normen, Werte, Regeln geben ein Grundgerüst, indem sich der moderne Flamenco immer weiter formt. 

 

Die Positionen und Bewegungen sind bei den Männern etwas anders als bei den Frauen. Obwohl sich in diesem Bereich seit einiger Zeit viel ändert, steht beim Mann generell die Fußtechnik im Vordergrund, bei der Frau die Arm- und Körperführung. Die Neigung des Oberkörpers, der Hüftschwung und das Zucken der Schultern sind immer noch vor allem der Frau vorbehalten. Noch vor gar nicht langer Zeit durften nur die Tänzerinnen, was bei Tänzern nie zu sehen war: die Handgelenke in alle Richtungen drehen und dabei die Finger spreizen. Es war bei den Männern absolut verpönt. Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert. Der Mann dreht teilweise auch die Hände, allerdings ohne die Finger abzuspreizen.

 

Dennoch, das absolut Fundamentale für den Flamencotanz ist der Rhythmus. Er gibt dem Tanz den Puls, die Seele, er lässt sich ins Unendliche variieren, je nach Charakter des Tanzes und Temperament des Tänzers. Jeder Tanz hat seinen Grundrhythmus, der den ganzen Tanz hindurch befolgt wird, auf den die Fußperkussion exakt gesetzt wird.

 

Tempovariationen bzw. -steigerungen mit abruptem Ende und folgendem langsameren Neubeginn sind dabei ein typischer Teil des Flamencotanzes. Deshalb ist die Zusammenarbeit von Tänzer, Sänger und Gitarrist von höchster Bedeutung. Grundsätzlich führt der „Aktive“, also entweder der Tänzer, wenn er tanzt oder der Sänger, wenn er eine copla (Gesangsstrophe) singt- sie achten jeweils aufeinander- die Gitarre folgt. Es ist äußerst wichtig, dass der Gitarrist gewisse Zeichen des Sängers oder Tänzers erlauscht und versteht, die bedeuten können, dass ein `break`,also eine llamada (Aufruf oder Endpunkt eines Tanzteils, er endet zu einer bestimmen Zeit abrupt) stattfinden oder sein Spiel fortsetzen soll.

All dies erläutert, warum der Flamenco ein Solotanz ist.

El ambiente- die Stimmung, die Atmosphäre, das Milieu ist ein äußerst wichtiger Teil des flamenco puro. Um ihn zu erleben muss man Ambiente haben. Daher können auch nur kleinere Räumlichkeiten geeignet sein um spürbaren Flamenco entstehen zu lassen.

Dazu gehören auch die Zuschauer (aficionados: Flamencoliebhaber), die Eingeweihten in die Geheimnisse des Flamenco ,die dem Künstler positiv eingestellt sind, die ihm mit Wärme und Interesse seiner oder ihrer Kunst entgegensehen. Diese Vorraussetzungen sind ideal. Die Rolle des Zuhörers- Zuschauers ist dabei sehr wichtig. Der Tänzer oder Sänger fühlt eine starke Stütze in der Konzentration des Publikums, das ihn/sie stimuliert und animiert durch jaleos (anfeuernde, bewundernde Zurufe), die nur an bestimmten, richtigen Stellen kommen, also beherrscht sein müssen. An der falschen Stelle sind sie störend. Alle weiteren Künstler auf der Bühne unterstützen ihn/ sie genauso durch jaleos sowie durch rhythmische, antreibende palmas (Händeklatschen: palmas sordas- leises Klatschen der beiden Handinnenflächen/ palmas claras- lautes, klingendes Klatschen der rechten 3-4 Finger auf die Innenfläche der linken Hand) oder pitos (Fingerschnalzen).

 

Das Kastagnettenspiel gehört eigentlich nicht zum Flamencotanz, auch wenn bei gewissen Tänzen Kastagnetten erlaubt sind (fandango, alegria).
Weitere Assecoires mit denen getanzt wird, sind: la falda (Rock), el mantón (großes Fransentuch), el abanico (Fächer), la bata de cola (Schleppenkleid), el bastón (Stock), el sombrero (Hut).

 

Dennoch kommt es beim Flamenco nicht nur auf die Technik an, sondern – vielleicht vor allem- auf das Gefühl, den Ausdruck, die Intensität, in der eben diese vermittelt werden. Auf Grund dessen bestehen viele Stile nebeneinander, vieler maestros/-as, bei denen es müßig wäre sie miteinander zu vergleichen, sie werten zu wollen, denn jeder Einzelne von ihnen ist Flamenco, so wie er ihn interpretiert und mit ihm arbeitet, trotz der sich dadurch ergebenden Stilunterschiede. Vielleicht mag man den einen Stil mehr als den anderen, doch man kann sie als Ausdruck dessen begreifen, was Flamenco im Eigentlichen ist: Die Harmonie der Gegensätze.

 

 

flamenco puro!


Puro bedeutet rein, echt, unverfälscht. Es bedeutet, dass der Gesang, der Tanz, das Gitarrenspiel echt sein, von innen herkommen müssen, ohne bewusste Versuche, Eindruck zu machen. Dass der ausübende Künstler wie für sich selbst singt, tanzt und spielt, auch wenn ein Publikum da ist. Dass er ganz in seiner Kunst aufgeht, taub und blind für alles andere ist. Dass er sich hundert Prozent hingibt- selten, aber doch wirklich. Dann, in diesem Augenblick, in dem alles stimmt, auch das ambiente, ist es möglich, daß der magische, perfekte Moment, in dem Künstler und Zuschauer im und durch den Flamenco eins werden, entsteht - auf den jeder hofft, ihn einmal erleben zu dürfen: der duende.

 

 

tablaos flamencos

 

Diese tablaos (Lokale, in denen Flamenco dargeboten wird) begannen am Anfang der 50er Jahre des 20. Jhdt., als direkte Nachfolge auf die cafés cantantes (1860-1910), dem Goldalter des Flamenco. Diese Form des Flamencos hat zwar nicht die genannten idealen Verhältnisse (die nicht oft gegeben sind), allerdings kann man oft sehr gute Flamencokunst dort erleben und ist dort auch dem Ausländer zugängig.

Für sie ist natürlich der Tanz am leichtesten zu verstehen und dadurch am attraktivsten. Den Gesang muß man erst verstehen und dann schätzen lernen.
Das Gitarrenspiel dringt dafür leicht ins Ohr und beflügelt die Gefühle.

 

 

maestros del ayer

(Flamencokünstler der Vergangenheit)

 

 

Carmen Amaya (bailaora)- 1913-1963.

 

Sie war eine Eruption, ein Vulkanausbruch auf der Bühne. Meistens in traje corto (männliche Flamencotracht) gekleidet, mit hoher, enganliegender Hose und kurzer figurgeschnittener Jacke. Ihr Körper war eher männlich als weiblich, ebenso ihr Tanz. Beine aus Stahl, Füße aus Eisen, die durch mehr als einen Fußboden hindurchstampften. Ihr zapateado, die Fußarbeit, in Vereinigung mit den palmas, dem Händeklatschen...- ihre Tänze waren eine ohrenbetäubende Orgie an Rhythmen. Mit ihren wilden Schwüngen und schnellen Schritten revolutionierte sie den weiblichen Flamenco.

 

Die Liebe zum Flamenco kam durch ihren Vater, der ein Amateurgitarrist war. Ihre Karriere begann in verschiedenen Theatern in Barcelona und Madrid, spielte daraufhin eine Rolle im dem Film`La hija de Juan Simòn`, worauf sie die Hauptrolle in `Marìa de la O` bekam. Nach Anbruch des Krieges gelangte sie mit großer Mühe über Portugal nach Süd-Amerika, wo sie große Erfolge in Buenos Aires feierte. Mit Sabica, den sie dort kennenlernte, arbeitete sie 7 Jahre auf dem gesamten Kontinent. Als sie 1947 zurückkehrte nach Spanien, hatte sie sich zu einer unbestrittenen Figur im Flamenco entwickelt. Sie drehte noch viele weitere Filme und prägte weiter den Flamencotanz.

 

Carmen starb an einer schweren Krankheit, sie ging ein in die Geschichte der ganz großen maestras.

 

 

Juana la Macarrona (bailaora)- 1870-1947

 

Sie ist die bedeutendste bailaora der Zeit der café cantantes. Ihr Vater als Gitarrist und ihre Mutter als Sängerin wiesen ihr den Weg in den Flamenco. Mit 16 hatte sie ihre erste Anstellung von Silverio in seinem café cantante in der Calle Rosario, Barcelona. Von dort stieg sie steil empor, vom Burrero direkt nach Madrid. 1889 tanzte sie in Paris und konsolidierte ihren Ruf als eine der größten maestras aller Zeiten.1926 arbeitete sie für die ópera flamenca von Verdines, und einige Zeit später machte sie Rubén Darío mit seiner Feder unsterblich, nachdem er sie in Sevilla hatte tanzen sehen.

 

 

Antonio Ruiz Soler (bailaor)- 1921-1996

 

Er ist einer der größten Flamencotänzer aller Zeiten. Er begann als Partner von Rosario, bis er nach ihrer Trennung im Jahre 1952, sein eigenes Ensemble gründete. Sein Ruhm wuchs, nachdem er für den Film `duende y misterios`einen Tanzstil por martinetes geschaffen hatte, einen palo, den er mitten in der Tajo-Schlucht von Ronda interpretierte. Er durchlebt neue kreativeEtappen und vereinigte in seinem Stil alle Arten des spanischen Tanzes und dem Flamenco. Er wird zu einem Genie ohnegleichen der unglaubliche Werke schuf, wie:`suite de sonatas`oder `el sombrero de tres picos`. Er hatte großen Erfolg in Hollywood und wurde zu einem Idol der Massen.1979 gab er den Tanz auf und wurde als Dirigent des spanischen National-Balletts engagiert. Später fesselte ihn eine schwere Krankheit an den Rollstuhl bevor er Anfang des Jahres 1996 starb.

 

 

Antonio Gades (bailaor)- 1936-2003

 

Er war , bevor er in die Tanzakademie von ´La Palitos`eintrat schon in verschiedenen Berufen tätig; u.a. dem Stierkampf. In den 50iger Jahren schloss er sich der Gruppe von Pilar Lopéz an und war deren Startänzer, bis er 1961 beschloss in Paris zu bleiben, um Choreographie zu studieren. 1964 tanzte er in Madrid im tablao `el coral de la morería`und 1965 im spanischen Pavillon der Weltausstellung in New York. Danach bereiste er mit seiner Gruppe die ganze Welt, führte 1973 sein Ballett `bodas de sangre`(Bluthochzeit) auf und wirkte mit Cristina Hoyos in den Filmen von Carlos Saura `Carmen`und `el amor brujo`, sowie`crónica del suceso de bodas de sangre`mit, die später in die Kinos kamen. Sein Werk wurde mehrfach mit Preisen, wie dem Nationalen Tanzpreis von 1988 ausgezeichnet, wegen seiner Arbeit als Mittler zwischen der Tradition des Flamenco und den modernen Einflüssen, die der spanische Tanz erlebt.

 

El Farruco (bailaor)- 1935-1997

 

Er betonte immer das gitano- Element in seinem Tanz, denn er war der Großneffe des großen Gitarristen Ramón Montoya. Er nahm seinen Künstlernamen von seiner Mutter an, die als `la Farruca` bekannt war. Dieser bailaor hat die halbe Welt bereist mit seiner Kunst, die beinahe unverständlich ist wegen seiner physischen Merkmale, denn seine Haltung war kaum die eines Tänzers. Doch sobald er die Arme erhob, räumte er mit allen Vorurteilen auf. Er war in New York erfolgreich, war einer der Hauptdarsteller in dem Film `Flamenco` von Carlos Saura mit seinem Enkel Farruquito und beeinflusste alle bailaores der nachfolgenden Generationen, nicht nur bis zu dem Zeitpunkt seines Todes (er starb auf der Bühne), sondern sogar noch darüber hinaus.

 

Manolete (bailaor)- 1945

 

Er begann mit 7 Jahren zu tanzen, begleitet von seinem Bruder Marote. Er bereiste die ganze Welt und vertrat den Stil der bailaores von Granada. Er wird bis heute als großer maestro des Tanzes der farrucas angesehen. In jüngster Zeit zeichnete er sich durch seine Duos mit `el Güito` aus, mit dem Titel `sólo flamenco`.

 

 

jovenes artistas flamencos de hoy
(junge Flamencokünstler der Gegenwart)

 

 

Eva la Yerbabuena (bailaora)

 

Sie hatte bereits eine großartige Bühnenkarriere hinter sich gebracht, als sie 1992 den `Premio La Malena` ablehnte, da sie der Auffassung war, sie habe die soleá nicht gut genug getanzt. Außerdem arbeitet sie mit dem Regisseur Mike Figgis im Bereich des Films.

Sara Baras (bailaora)- Sie tanzte mit ihrem Ensemble auf Bühnen in Paris, London, Los Angeles, San Francisco und Miami, in Chile und Japan. Sie gewann 2003 den `Premio National de Danza` und 2004 `la Medalla de Oro de andalucia`.

Belén Maya (bailaora)- Sie gehört zu den innovativsten Flamencotänzerinnen dieser Zeit. Schon heute prägt sie den aktuellen neuen Tanz der bailaoras. Sie ist mit ihrem Ensemble in Australien und Italien, sowie in Spanien zu sehen. Ihre kunstvolle Fußperkussion ist auf CD´s einiger hochkarätiger Gitarristen zu hören.

Israel Galván (bailaor) – Er trat ab 1991 als Solist in dem Ensemble von Mario Maya (dem Vater von Belén Maya) auf. 1996 gewann er den Preis für Tanz bei der Bienale von Sevilla und die Auszeichnung ´Vicente Escuedo´, womit er sich im Flamenco einen Namen machte. Er unternahm Tourneen durch die ganze Welt. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch seinen revolutionären Charakter aus und gehören zur Avantgarde des Flamencotanzes.

 

Andrés Peña (bailaor)

 

Am Anfang seiner internationalen Karriere wurde er als bester Nachwuchstänzer ausgezeichnet, im Jahr 2000. Als Solist trat er in den bekanntesten tablaos auf und arbeitet mit den angesehensten Flamenco-Kompanien z.B.` compañia de Eva la Yerbabuena` oder `compania de Carmen Cortés`.

 

María Angeles Gabaldón (bailaora)


- Sie wurde 2002 mit dem begehrten Nationalpreis
`Desplante`ausgezeichnet. 2004 vergaben die
internationalen Flamencokritiker ihr den Preis
`flamenco de hoy` für ihr innovatives und
sozialkritisches Stück `Inmigración`. Aktuell
arbeitet sie mit der bedeutenden Künstlerin
Belén Maya.
Compania de María Angeles Gabaldon : `Inmigracíon`

 

Mercedes Ruiz (bailaora)

 

Die junge Künstlerin kann schon auf eine beachtliche Bühnenkarriere zurückblicken. Erste große Auftritte hatte sie mit Manuel Morano u.a. bei der Expo `92 in Sevilla und in den USA. Weitere Engagements führten sie durch Kanada und Europa, als Begleitung von Belén Maya nach Japan. Sie wurde mit dem Antonio-Gades- Preis der Flamenco-Bienale in Sevilla ausgezeichnet.

Joaquin Grilo (bailaor)- Er ist seit 1994 Startänzer des Ensembles von Paco de Lucia.

 

Farruquito (bailaor)

 

Er ist der Enkel des berühmten Farruco und führt gegenwärtig das große Erbe der Familientradition weiter. Er hatte seinen ersten Auftritt mit 5 Jahren am Broadway. Sein Durchbruch gelang ihm mit dem Film `Flamenco`von Carlos Saura, zu der Zeit er 7 Jahre alt war. Zusammen mit seinem Großvater trat er auf der Weltausstellung im Pavillon Andalusien in Sevilla auf. Seit dem Tode Farrucos ist er das Oberhaupt dieser berühmten und angesehenen Zigeunerfamilie und führt bedeutende Werke in der ganzen Welt auf, wobei jedoch keines davon die Tiefe seines letzten Werkes `alma vieja`erreicht.

 

María Pagés (bailaora)

 

Sie ist mit ihrem Ensemble weltweit unterwegs und anerkannt. Mit ihrem zeitgenössischem Stück`de la luna al viento`setzte sie einen Meilenstein im Flamenco.1995 tanzte sie als Gaststar in `Riverdance-die Show`mit.
1996 erhielt sie  den spanischen Choreographie-Preis (der das 1. Mal innerhalb des Genre Flamenco verliehen wurde).2002 wurde sie mit dem höchsten Tanzpreis Spaniens geehrt, dem `Premio Nacional de Danza`.

 

 

                    

Joaquin Grilo (bailaor)

                  

 

                  

Er ist seit 1994 Startänzer des Ensembles von Paco de Lucia.

 

 

Joaquin Cortés (bailaor)

 

Mit 12 Jahren begann er seine Tanzausbildung und trat 3 Jahre später dem Spanischen National-Ballett bei. Schon damals reiste er durch die ganze Welt. Als er das Ballett verließ gründete er 1992 sein eigenes Ensemble. Später tanzte er in dem Film `Flamenco` von Carlos Saura farrucas mit nacktem Oberkörper, womit er eine Ästhetik einführte, die er bis heute auf seine riesigen Showbühnen ausgeweitet hat und, die inzwischen ebenso viele Anhänger (meist Frauen) , wie Gegner (aficionados) hat. Er eröffnete die Leichtathletik-WM in Sevilla und ist insgesamt der inzwischen international berühmteste, aber auch strittigste bailaor der Gegenwart.

 

 

palos conocidos
(bekannte Flamenco- / Gesangs - Stile)

 

 

tango:4- bzw. 8- schlägig, sehr fröhlich, wird gern por fiesta getanzt, gilt als Domäne der Zigeuner.

 

tientos: 4- bzw.8-schlägig, langsame tango-Variante, die tangos knüpfen als remate (Antwort auf den Gesang durch Minifußteil) an eine Folge an, Charakter ist feierlich, majestätisch.

 

soleá: Sie ist die Königin der Tänze, übersetzt:Einsamkeit, sie wird sehr ruhig und mit äußester Spannung getanzt, 12-schlägig, mit mantón oder bata de cola tanzbar, gilt als eine der schönsten Flamenco-Formen.

 

alegrías: übersetzt: Freude, Charakter ist ausgelassene Festlichkeit, 12-schlägig, aus Cadiz stammend, aus der Familie der cantinas, mit abanico, bata de cola oder manton tanzbar, bei kaum einem Tanz wirkt der Rock bzw. der bata de cola in diesem Maße mit.

 

alboreá: Hochzeitsgesang der gitanos, Rhythmus der solea por bulerias, 12-schlägig

 

bulerias: übersetzt: Spott, koketter sehr schneller Tanz, bedarf absoluter compás-   Fertigkeit, die verbreitetste Form des Flamenco, brilliert durch Spontanität und mitreißenden Rhythmus, Bei diesem palo werden besonders viele jaleos gemacht, 12-schlägig,Rhythmus von der solea abstammend, aus Jeréz sind die bulerias besonders bekannt, wegen der enormen Wirkung auf das Publikum, steht die bulerias meist am Ende einer Darbietung durch ein Feuer von Temperament und Schnelligkeit, traditionsgemäß geben als Zugabe alle Künstler, auch die Gitarristen, Sänger etc. ihre besten, kleinen pataítas zum Besten – zur Freude des Publikums.

 

columbianas: südamerikanischer Einfluß spürbar, leicht und weich, Frauentanz, mit Fächer tanzbar, cantes ida y vuelta ( Gesänge von „hin und zurück“)

 

fandango de Huelva: folkloristisch angehauchter , heiterer Tanz, zählt zu den sehr alten Flaemnco-Formen, 6- bzw. 12-schlägig, mit Kastagnetten oder Fächer tanzbar.

 

farruca: Männertanz, 4-schlägig, sehr hart, klare Akzentuierungen, mit bastón tanzbar, sehr fußlastig, stammend aus Galizien, Frauen tanzen ihn gern in Hosen.

 

seguirilla: stellt eine Grundform des Flamencos dar, ist vom Gefühl sehr schwer, sehr getragen, wehmütig, tragisch, nirgends entfaltet sich der cante jondo schöner und tiefer,lande wurde sie nicht getanzt, 12-schlägig:wird allerdings auf 5 Schläge mit Pausen gezählt, mit Tuch oder Stock tanzbar.

 

rondeña: fandango aus der Gegend von Ronda, verwandt mit den verdiales, 12-schlägig.

 

 

 

kleines Flamenco-Glossar

     * Aficionado: Flamenco-Liebhaber    

.... * A palo (seco): ohne Musik
     * Bailaor / bailaora: Flamenco-Tänzer oder Flamenco-Tänzerin
     * Baile: Flamenco-Tanz
     * Bata die Cola: spezielles Flamenco-Kleid mit langer Schleppe
     * Braceo: Armführung im Flamenc-Tanz
     * Cafe cantante: Cafés, in denen die Menschen Mitte des 19. ............Jahrhunderts Flamenco gehört wurde. Sie verschwanden wieder rund .......1910.
     * Cantaor / cantaora: Flamenco- Sänger oder Flamenco-Sängerin
     * Cante: Flamenco-Gesang
     * Cante chico: "kleiner" Gesang, steht mit diesem Namen für die .......fröhlichen Lieder der Palos, wie z.B.: Fandangos
     * Cante jondo: tiefer, ernster Gesang, steht mit diesem Begriff für die ........schweren Palos z.B.: Soleares
     * Castañuelas: Kastagnetten
     * Compás: rhythmische Struktur, Takt
     * Contra-Tiempo: die Zeiten zwischen den Zeiten im Rhythmus
     * Copla : Verse, Strophen
     * Desplante: eine rhythmische Serie der Fußperkussion zusammen mit .......dem rasgueado der Gitarre
     * Duende: Höhepunkt des Flamencos, der Augenblick, in dem alles .......stimmt, er ist die Essenz des Flamenco und das Ziel eines jeden ........Flamencos

.......(wörtlich: Teufel, Geist, Dämon, Nymphe)
     * Escobilla: rhythmische Fußperkussion, sie kann beschleunigen und .......abrupt enden
     * Falseta: melodische Variante der Gitarre
     * Feria: Kirmes oder Festival
     * Flamenco PURO: die reine Flamenco
     * Gitano: Spanischer Zigeuner

.....* Golpe: kraftvolles Auftreten mit dem flachen Fuß   
     * Jaleo: Aufruf der Ermutigung, wie ¡Ole!, ¡Eso es!
     * Juerga: spontaner Flamenco im kleinen Kreis mit improvisiertem .......Flamenco
     * Llamada: wörtlich: Aufruf, Tänzer fordert Aufmerksamkeit für den Tanz .......oder schließt ihn ab
     * Letra: Text eines Gesangsstücks
     * Palmas: rhythmisches Klatschen Hand.
     * Palmero / Palmera: klatschende Person im Flamenco, meistens .......mindestens 2 Personen
     * Peña: Flamenco "Club", in denen Flamenco - Künstler mit oder für die ........Aficionados ihre Kunst darbieten
     * Pitos: Finger schnippsen
     * Rasgueado: schneller starker Anschlag auf die Gitarrensaiten
     * Tablao: Ort, in dem Flamenco - Darbietungen gesehen werden können
     * Taconeo: Aufschlag des Schuhs mit den Fersen
     * Toque: Gitarre
     * Zapateado: Fußarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
     
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